Haltungsentwicklung

Transformation der persönlichen Reife

Entwicklungspsychologen beschreiben das menschliche Leben als Haltungswandel:

Im ganz jungen Alter sind wir in der impulsiven, selbstorientierten Haltung, in der für uns zunächst der eigene Vorteil im Vordergrund steht. Der Fokus liegt meist auf konkreten Dingen und einem kurzen Zeithorizont. Andere Menschen werden als Mittel der eigenen Bedürfnisbefriedigung gesehen. Erst wenn es uns als Heranwachsender gelingt, von den kindlichen Impulsen und Bedürfnissen zu lösen, transformieren wir unsere Handlungslogik. Wir haben jetzt Impulse und Bedürfnisse und lernen mit diesen in geeigneter Weise umzugehen.

In der gemeinschaftsbestimmten-konformistischen Haltung richten wir unser Denken und Handeln vor allem an Regeln und Normen der relevanten Bezugsgruppe. Die Identität wird durch diese definiert. Die Kontakte sind eher oberflächlich und es wird überwiegend in Entweder-Oder-Kategorien (Stereotypen und Dualitäten) gedacht. Es kommt zu starken Scham- oder Schuldgefühlen, wenn Erwartungen anderer verletzt werden. Konflikte werden vermieden. Wir wollen dazugehören. Erst wenn es uns gelingt, diesen „Gruppenzwang“, diese „Co-Abhängigkeit“, zu durchschauen und uns vom unbewussten Zwang nach Gruppenzugehörigkeit zu lösen, gelangen wir in die nächste Haltungsstufe.

Aus der rationalistisch-funktionalen Haltung heraus herrscht die Orientierung an klaren Standards (oftmals auch noch Dogmen), rationales Denken und kausalen Erklärungen. Hier beginnt die Selbstwahrnehmung sowie die Suche nach Motivation für das eigene Verhalten. Das Denken ist jedoch eher eng und fachlich, mit Betonung auf Richtigkeit, Effizienz und Zielerreichung. Wir wollen mit unseren Stärken und Talenten1 etwas erreichen. Und nicht nur etwas. Wir wollen viel erreichen. Hier gilt es zu bemerken, dass uns unsere Rechthaberei und unsere Ziele fest im Griff haben. Und sind es überhaupt unsere Ziele, unsere ur-eigenen, wahrhaftigen?

Hat sich die eigenbestimmt-souveräne Haltung des Ich gebildet, finden sich voll entwickelte und selbst definierte Werte und Generative Ziele in unserem Repertoire sowie eine ausgeprägte Identität mit starker Zielorientierung und Selbstoptimierung. Man pflegt Respekt vor sämtlichen Lebewesen. Diese Haltung gilt als anerkannte Endstufe in der westlichen Gesellschaft. Allerdings wird leider meist der eigene Schatten der Subjektivität noch nicht gesehen. Das bedeutet, wir haben uns ein mentales „Ich-Konstrukt definiert mit inneren Bildern, wie wir uns anpassen, wie wir unsere Leistungen erbringen, wie wir in die Autonomie gelangen, was für uns richtig und wertvoll ist, wie wir das Leben, unsere Mitmenschen und uns selbst sehen. 

Leider hat uns dieses Konstrukt fest im Griff. Wir handeln so, dass sich dieses gedankliche Konstrukt immer wieder für uns – aus subjektiver Sicht - bewahrheitet. Wir setzen alle Energie dort hinein, den Aufmerksamkeitsfokus so zu lenken, dass die entsprechenden Ereignisse unsere Ich-Identität und unsere Haltung immer wieder aufs neue bestätigten. Das blockiert unser Leben. Dies zu durchschauen und erst recht sich aufzumachen, um sich davon zu dis-identifizieren, zu befreien, ist ein harter innerer Kampf, den es mit sanfter Entschlossenheit anzugehen gilt, um sich erfolgreich zu transformieren.

An diesem Punkt im Leben beginnt unser wahres persönliches Wachstum. Leider tritt in der westlichen Welt kaum jemand diese Reise an.

Mit der post-konventionellen, relativierenden Haltung wären wir endgültig in einen neuen Bereich aufgebrochen bzw. eingetaucht. Aus einer achtsamen Metaposition3 heraus beginnt ein erwachtes Selbst-Bewusstsein, eine Art „inneres Zeugnis“, darüber, wie die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gedanken und Glaubenssätze die Sicht auf die Welt prägen. Es zeigen sich größere Offenheit und Bewusstheit gegenüber der inneren, vielfältigen Persönlichkeit, inneren/äußeren Konflikten, Schattenaspekten, Denkblockaden und Paradoxien, ohne diese jedoch zunächst integrieren zu können. Erste hinderliche Glaubenssätze können aber bereits kognitiv umstrukturiert4 werden.

Erst unsere systemische Haltung zeigt dann die voll ausgebildete Fähigkeit, verschiedene Perspektiven einnehmen zu können, ein systemisches Erfassen von Beziehungen (Zirkularität) und die Fähigkeit, sich widersprechende Aspekte und Meinungen in Richtung einer sinnvollen Lösung zu integrieren. Es zeigt sich ein hoher Respekt vor der Autonomie anderer Personen und es kommt zur Aussöhnung mit den eigenen, als negativ erlebten Schattenanteilen. Der Sinn in negativen Emotionen5 wird gesehen und es werden zunehmend alte Wunden geheilt. Unser Schmerzkörper wird integriert und das Nervensystem reguliert – fast wie von selbst, wie von unserem wahren Selbst mit all unserer Körperweisheit.

Die integrierte Haltung verwirklicht, jetzt nachdem die alten Denkblockaden gelöst und emotionalen Wunden geheilt sind, in hohem Maße die eigenen wahrhaftigen Ziele und Werte, kann Paradoxien integrieren und entwickelt eine hohe Bewusstheit, wohin man die eigene Aufmerksamkeit lenkt bzw. wohin man magisch – wie von Selbst bzw. vom Universum – gelenkt wird. Man erlangt ein besonderes intuitives Gespür für das Unterbewusste8. Nicht selten zeigt uns dies, wo unsere wirklichen, wahren Essenzen, Qualitäten und Talente liegen, was uns wirklich-wirklich wichtig ist und lässt uns so neu ausrichten9. Unser wahres Selbst entfaltet sich und wir können unser „Wozu“ immer wahrhaftiger formulieren.

Die fließende Haltung zeigt schließlich die Fähigkeit, spielerisch abwechseln zu können zwischen Ernst und Trivialem. Das Bedürfnis, Dinge und Personen zu bewerten, wird aufgegeben. Es kommt zu einem Eins-Sein mit der Welt, ohne Festhalten und Anhaften, indem man sich auf den Fluss der Dinge einlässt. Unterschiedliche Bewusstseinszustände, bis hinein in die sogenannte Allverbundenheit, gehen fließend ineinander über und für jede und jeden von uns gilt dann: „Ganz Ich-Selbst zu Sein!“ Man hat sein „Wozu“ nicht nur gefunden, man lebt es auch

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